Der Klimawandel auf unseren Tellern oder auch: Lebensmittel in der Krise

Der Klimawandel auf unseren Tellern oder auch: Lebensmittel in der Krise | Blattgrün

Der Klimawandel ist ein globales Problem. Er vernichtet weltweit Äcker durch Wetterextreme, sorgt für Trinkwasserknappheit und führt dazu, dass viele Produkte, die auch wir in unserer Wohlstandsgesellschaft täglich konsumieren, in Jahren bis Jahrzehnten nur mehr selten auf unseren Tellern landen werden. Die Klimaerwärmung wird damit zu einem der größten Hindernisse im Kampf gegen weltweiten Hunger und Armut. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es heute auf Blattgrün.

 


Inhaltsverzeichnis

Wenn sich die Welt verändert, müssen sich nun einmal auch die Menschen verändern
Stark sinkende Produktivität im Süden, höhere Erträge im Norden
Wie kann Lebensmittelknappheit entstehen?
Die Konkurrenz zwischen Massentierhaltung und menschlicher Ernährung
Mangelware Bier
Mangelware Kaffee
Mangelware Kakao
Mangelware Mandeln
Mangelware Bananen
Mangelware Haselnüsse
Mangelware Orangen
Mangelware Erdäpfel
Mangelware Wasser
Mangelware Mineralstoffe


 

Fakt ist natürlich: Wir müssen konsumieren, um uns versorgen zu können. Da Konsum jedoch nicht nachhaltig ist, greifen wir auch auf ökologische Systeme ein. Relevant wird es aber erst, wenn unser Konsum verhindert, dass die Eingriffe auf unsere Umwelt nicht mehr natürlich (oder manchmal auch künstlich) kompensiert werden können. Genau dieses Problem hat die Menschheit mittlerweile. Was bedeutet das für uns?

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Ganz einfach: Die eine Welt, in der wir leben und die einzige, die wir haben, ist nicht mehr genug. Würden wir beispielsweise alle so leben wie ein durchschnittlicher US-Amerikaner, bräuchten wir mehr als vier Erden. Als Europäer zwar weniger, aber immer noch mehr als zwei. Wir überstrapazieren die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme unserer Heimat, während wir ohne Rücksicht gleichzeitig immer mehr konsumieren.

Wenn sich die Welt verändert, müssen sich nun einmal auch die Menschen verändern.

Leider reagieren wir auf unsere selbst angeheizten Entwicklungen zu langsam. Wir können uns an die rasant stattfindenden Veränderungen der Ökosysteme nicht mehr so richtig anpassen. All die komplexen Probleme rasen mittlerweile in einem schwindeligen Tempo voran, sodass wir selbst gar nicht mehr so richtig begreifen können was hier vor sich geht und welche Folgen unsere daraus resultierte Machtlosigkeit für die Zivilisation, wie wir sie gewohnt sind, haben wird. Kurzum: Wir haben diesen Planeten experimentell zu unserer kleinen Spielwiese gemacht ohne dabei die Regeln zu beachten, die schon vor uns da waren.

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Wir konsumieren nicht mehr nur um zu überleben, sondern auch um psychosoziale Bedürfnisse zu befriedigen, denn Menschen streben eben nach einem guten Leben. Dabei lassen wir jedoch uralte Gletscher schmelzen, machen immer mehr Trinkwasser durch Giftstoffe ungenießbar, brennen jahrmillionenalte Wälder nieder, erschaffen damit ein Glashaus, das uns langsam verbrennt und fühlen uns dabei immer noch überlegen. Wie geht das? Ganz einfach:

Wir spüren es nicht. Zumindest nicht dramatisch genug, um unser Verhalten zu hinterfragen und dauerhaft an Gegebenheiten anzupassen, um dementsprechend dauerhaft überleben zu können.

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Aber wir werden es noch unangenehm spüren, denn im Zuge der Globalisierung ist die Klimakrise nicht nur eine Sache der anderen. Spätestens beim Frühstück wird sie uns bald alle erreichen. Hitze, Dürre, Stürme, Überschwemmungen. All das beeinträchtigt schon heute die Ernteerträge vieler Nahrungsmittel, die auch wir Wohlstandseuropäer liebend gerne auf unseren Tellern haben. Wusstet ihr beispielsweise, dass bis 2050 die Hälfte der Anbauflächen für Kaffee- und Kakaobohnen verschwunden sein soll? Aber lasst uns noch ein wenig über den Klimawandel und die globale Agrarwirtschaft sinnieren.

Für Europa wird zukünftig eine stark sinkende Produktivität im Süden und höhere Erträge im Norden vorausgesagt.

Demnach muss man sich auf gröbere Ernteeinbußen in Ländern wie Italien, Griechenland oder Südfrankreich einstellen. Besonders unangenehm wird es in Südspanien. Ja, genau, dort, wo viele unserer köstlichen konventionellen Supermarktprodukte aus der Obst- und Gemüseabteilung herkommen, weil sie dort billig produziert werden können. Auf Kosten der Umwelt und der Sozialverträglichkeit. Man munkelt, dass der Wert von Ackerflächen dort bis 2100 sehr stark abnehmen wird.

Profitieren werden laut Analysen von Behörden bis 2100 aber vor allem wir. Österreich. Global gesehen ein Witz, weil unglaublich klein. (Beruhigt euch jetzt gerade aber bestimmt, nicht wahr?) Und Schweden. Das soll vor allem an den längeren Vegetationsperioden und frostfreien Perioden liegen. Wenn man jedoch resümiert, wird durch den Klimawandel bis 2050 ein Verlust von bis zu 16 Prozent des landwirtschaftlichen Einkommens in der EU stattfinden und da sollte einem schon bange werden, denn Österreich ist auch auf Importware angewiesen. Und diese kommt definitiv nicht nur aus der EU. 

Die Natur ist doch eh so klug und passt sich an? Wie kann dann überhaupt Knappheit entstehen?

Menschen experimentieren. Sie kultivieren. Wir sind schnelllebig, wollen viel von allem und mögen bestmögliche Resultate mit wenig Aufwand. Gerne auch mit egoistischen Eingriffen in die Natur, die eigentlich viel älter und klüger ist als wir. Die Folgen des Klimawandels sind demnach sehr komplex und leider nicht so einfach zu lösen wie sich Menschen das nunmal wünschen.

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Die meisten Hochleistungspflanzen, die derzeit unsere Grundbedürfnisse erfüllen, sind nicht für extreme Temperaturen oder Klimakrisen wie Dürren oder Überschwemmungen ausgerüstet.

Züchtungen haben sich über all die Jahrzehnte auf kleine Bereiche festgelegt und mögen die Veränderungen des Klimas, welche gerade rasant vonstattengehen, einfach nicht. Da helfen leider auch kein Kunstdünger oder Pestizide mehr, wie man letztes Jahr vor allem bei den Erdäpfeln gespürt hat (siehe auch weiter unten). Denn Hochleistungspflanzen sind gegenüber dem Klimawandel am empfindlichsten.

Alte, robuste Sorten (meist als bio heranzuziehen) halten zwar mehr aus, bringen aber deutlich weniger Ertrag. Natürlich könnte man sich jetzt die Frage stellen warum wir nicht einfach bei bio und weniger geblieben sind, denn die Welt könnte man damit schon ernähren, aber das würde vermutlich in einer sehr langatmigen Grundsatzdiskussion ausarten und wir wollen den Artikel ja nicht noch mehr in die Länge ziehen. Kurzum: Viele Menschen wollen viele Dinge.

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Und natürlich gibt es im konventionellen Bereich noch ein weiteres Problem: Die Konkurrenz zwischen Futterbau für Massentierhaltung und Ackerflächen für die menschliche Ernährung.

Ressourcen wie Böden, Wasser und Energie sind somit für beide Seiten heiß begehrt. Würde sich die Menschheit größtenteils vegan ernähren, hätten wir demnach logischerweise ein primäres Problem weniger. Richtig aufgeteilt würde es laut Studien für alle reichen. Die Produktion von Fleisch verschlingt nämlich rund siebenmal mehr Energie wie die Produktion der gleichen Kalorienmenge von pflanzlicher Nahrung. Potential für eine weitere Grundsatzdiskussion? Komm, lass ma! Ich bin ja nicht hier, um unbequeme Tatsachen in den Raum zu stellen. (Oder doch?)

Beschäftigen wir uns also mit der Frage der Nahrungsmittelknappheit, die uns die nächsten Jahrzehnte erreichen wird.

Gesetzt dem Fall wir agieren weiterhin als egoistische Spezies, denn Schadensbegrenzung können wir ja immer noch betreiben. Ob es nun 2 Grad oder 4 Grad Klimaerwärmung werden, macht nämlich einen großen Unterschied in Bezug auf das Leben wie wir es kennen. Und das Überleben. Einen kleinen Einblick in die Folgen der Erwärmung könnt ihr hier nachlesen. Wie ihr zum Verhindern dieser Dystopie beitragen könnt, erfahrt ihr hier.

Dass der Klimawandel nicht nur abseits unserer privilegierten Wohlstandsbubble passiert, wissen wir nun.

Dass er uns in den nächsten Jahren aus unserer köstlichen Komfortzone katapultieren wird, können wir nun auch erahnen. Lasst uns nun also über die Nahrungsmittel sprechen, die in wenigen Jahrzehnten vermutlich auch für die Mittelklasse als Alltagskonsumobjekte der Begierde nicht mehr so richtig leistbar sind. Und über solche, die mit den Folgen der Klimaerwärmung richtig hart zu kämpfen haben.

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BIER

Mit Bier meine ich vor allem Gerste. Man könnte natürlich auch Brot als Beispiel nehmen, aber Alkohol bringt in Deutschland und Österreich ja grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit. (Übrigens wird auch die Whisky-Produktion stark leiden.) Das Wachstum von Gerste wird stark durch Erderwärmung beeinflusst. Dürren und Hitzeperioden machen ihr zu schaffen, denn sie wächst gerne in gemäßigtem Klima. Steigt die Temperatur um ein einziges Grad, gibt es einen vorausgesagten weltweiten Ernteverlust von etwa 10-15 Prozent. Nimmt man nun die möglichen 4 Grad Erwärmung, haben wir definitiv ein Problem.

Und dann muss man auch noch wissen, dass bei Gerste zwischen Braugerste und Futtergerste unterschieden wird. Das ist vor allem wichtig, um den Handel und die Preisgestaltung zu verstehen. Bierbrauer haben demnach einen großen Konkurrenten: Die Futtermittelindustrie. Wenn Gerste als Ressource also einmal knapper wird, bekommt sie der, der den höchsten Preis zahlt. Durch den weltweit hohen Fleischkonsum und die damit verbundene Massentierhaltung kauft dann beispielsweise China hohe Mengen und treibt damit auch den Preis der Braugerste in die Höhe.

Die Preissteigerung für Bier wird für etwa 15 Prozent vorausgesagt, könnte sich aber bei Gerstenknappheit auch verdoppeln bis vervierfachen. Fun fact: Dänemark, welches normalerweise tonnenweise Überschuss produziert, ist als Exportland aufgrund der Folgen des Klimawandels schon einmal beinahe ausgefallen.

Der sogenannte Weltklimarat warnt übrigens auch vor Einbußen bei Weizen, Mais und Reis, welche knapp über 40 Prozent der menschlichen Ernährung ausmachen. Just sayin. 

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KAFFEE

Die Kaffeebohne ist eines der wichtigsten Welthandelsgüter und macht in Brasilien sowie Vietnam, den beiden wichtigsten Anbaugebieten, knapp ein Viertel des Exports aus. Wenn man bedenkt, dass ein Österreicher pro Jahr im Schnitt 900 Tassen Kaffee trinkt, weiß man welchen Stellenwert die kleine Bohne in unserem Leben einnimmt.

Kaffeesträucher benötigen ein stabiles Klima. Sie sind sozusagen die Mimosen unter den Pflanzen, die uns mit Genuss versorgen. Sie mögen es nicht zu sonnig, nicht zu windig und sind recht wählerisch bei der Bewässerung. Passt das Klima außerdem nicht, haben sie schnell mit Schädlingen zu kämpfen.

Besonders Brasilien ist jedoch immer wieder von Wasserknappheit und Hitze betroffen. 1999 vernichtete eine schwere Dürre von August bis November geschätzt 40 % der gesamten brasilianischen Kaffee-Ernte. Auch 2014 war die Preissteigerung aufgrund von Hitzewellen deutlich zu spüren: Der Preis für einen Sack Kaffee (60 Kilogramm) legte auf dem Weltmarkt um 66 Prozent zu.

Die Weltbank sagte 2009 voraus, dass sich die Agrarfläche für Kaffee bis 2070 um ein Drittel oder gar mehr verringern könnte. In manchen Bundesstaaten muss gar mit einem Verlust von 80 Prozent gerechnet werden. Dafür gebe es keinen Ersatz.

Vietnam trifft es noch härter: Laut Weltbank gehört es zu den fünf Ländern, die zukünftig am schlimmsten vom Klimawandel betroffen sein werden. Nicht nur Wetterextreme, sondern auch der Anstieg des Meeresspiegels werden zu schwerwiegenden Problemen und damit auch zu starken Einbüßen bei der Bohnenernte führen.

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KAKAO, SCHOKOLADE

In den kommenden zehn Jahren könnte das süße Gold zur Mangelware werden, was angesichts unseres jährlichen Konsums von knapp 12 Kilogramm pro Kopf ein ziemliches Desaster wäre.

Ghana ist derzeit der größte Produzent von Kakaobohnen und damit für rund zwei Drittel der weltweiten Produktion verantwortlich. Die Kakaobäume dort stehen jedoch unter klimawandelbedingtem Stress. Sie erhalten keinen Regen, wenn sie ihn benötigen, während es andererseits dann später im Jahr zu viel geballter Regen ist. Die geschwächten Bäume sind somit anfälliger für Seuchen, vor allem wenn es um CSSD geht.

Die Cacao Swollen Shoot Disease gibt es zwar schon seit einigen Jahren, jedoch hat sie 2019 den Höhepunkt erreicht. Mindestens 16 Prozent aller Kakaobäume sind infiziert. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher, da die Symptome der Krankheit erst nach Jahren deutlich zu erkennen sind. Das wirkt sich natürlich auch auf die Verfügbarkeit sowie in weiterer Folge auch die Verkaufspreise am Weltmarkt aus.

Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei Kakao zukünftig nicht anders verhält als bei Kaffee. Heißt kurzum: Klimawandelbedingt viel weniger Ackerfläche und damit weniger, jedoch massiv teurer Kakao. 

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MANDELN

80 Prozent der weltweit genaschten Mandeln kommen aus Kalifornien. Da die Nachfrage steigt, steigt auch der Wasserbedarf, denn Mandeln sind extrem durstig. Eine kleine Mandel benötigt im Schnitt vier Liter Wasser. (Aber lasst euch nicht täuschen, liebe Menschen: Kuhmilch braucht auf den Liter weitaus mehr Wasser als dieselbe Menge Mandeldrink.)

Also: Mandeln sind durstige Pflanzen. Bei Regen kein Problem. Bei anhaltender Trockenheit jedoch gerade in Kalifornien, wo Einwohner aufgrund der Klimaerwärmung immer wieder zum Wassersparen gezwungen werden müssen, vielleicht nicht die beste Idee. Das Wasser, welches zur Versorgung der Mandelbäume fehlt, wird alternativ aus den Flüssen in der Umgebung gepumpt was wiederum verheerend für die Lachse dort ist, da sich weniger Wasser schneller erwärmt und sich die Lachse nicht anpassen können. long story short: Sie verenden grauenvoll. 

Ein ebenso schwieriges Thema in Bezug auf Mandelbäume sind die amerikanischen Bienen. Jährlich werden 1,6 Millionen Bienenstöcke durch die USA chauffiert, damit sie in einer sehr kurzen Zeitspanne die Mandelblüten bestäuben können. Mandeln wachsen hier jedoch in Monokultur-Plantagen und werden zumeist mit Pestiziden behandelt. So fehlen den Bienen wichtige Nährstoffe, sie werden krankheitsanfälliger für Varroa-Milben und sterben oftmals. 60 Prozent der ganzen amerikanischen Bienenbevölkerung werden btw dort im Februar eingesetzt.

Aus Gewissensbissen heraus greifen wir Europäer neuerdings also zu Mandeln aus europäischer Erzeugung. Diese stammen größtenteils aus Mallorca. Tja. Dort sorgt der Klimawandel mit seinen milden Wintern jedoch dafür, dass die Knospen zu früh aufgehen. Kommen dann doch noch Nachtfrost oder Schneefall, werden den Bäumen massive Schäden zugefügt. Das bedeutet in diesem Fall nicht nur wenig bis gar kein Ertrag, sondern auch das Ende für die Bäume, da sie schwach werden und absterben können.

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BANANEN

Hierzulande nach heimischen Äpfeln das zweitliebste Obst der Österreicher. Kein Wunder, dass kein anderes Obst in größeren Mengen angebaut wird. Abgesehen von der sozial- und umweltkritischen Philosophie, die große Hersteller wie Dole oder Chiquita (samt Fyffes), verfolgen, hat auch hier die Klimaerwärmung fatale Folgen.

Bananenstauden sind sehr pingelig. Frost führt zum Tod, hohe Temperaturen stoppen das Wachstum, zu viel Sonne verbrennt die Pflanzen und Wind mögen sie gar nicht, da bei Windstärken über 20 km/h die Blätter zerreissen was sich in verminderter Produktivität zeigt. Da sie genetisch außerdem nicht sehr vielfältig sind, steigt die Anfälligkeit für Krankheiten stark an.

Ein paar kleine Beispiele: In Kolumbien gab es 2011 starke Überflutungen. Im Jahre 2012 Winterregen, welche die Verbreitung von Mono-Bakterien begünstigten. Diese breiten sich in rasantem Tempo aus und sind nur mit horrenden Geldsummen in Zaum zu halten. Wärmere Temperaturen begünstigen andererseits eine Pilzart, die (mit ein wenig Pech) die Hälfte der Ernte vernichten kann.

Und als wäre all das nicht genug, geht man davon aus, dass Kolumbien bis 2060 mehr als die Hälfte der Agrarfläche irreversibel verlieren wird. Man kann sich also in etwa vorstellen, dass man den Bund Bananen in einigen Jahren nicht mehr um 1-2 Euro im Supermarkt kaufen wird, sondern mit Glück um 5 Euro.

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HASELNÜSSE

Auch, wenn Haselnüsse ebenso in Österreich wachsen, ist die Türkei mit 72 Prozent (Stand 2012) der führende Produzent für den weltweiten Markt. Möchte man sie in dieser Menge in anderen Ländern kultivieren, bräuchte es intensive Bewässerung sowie hohen Düngemittel- und Pestizideinsatz. Wenn die Ernte in der Türkei leidet, leidet also gleich einmal der gesamte Weltmarkt. Für Unternehmen oder Konsumenten könnte dies zur Folge haben, dass Haselnüsse sich enorm verteuern oder zeitweise einfach gar nicht mehr verfügbar sind. Glaubt ihr nicht?

Winter 2014. Ein milder Winter. Ein Hagelsturm. Die halbe Ernte kaputt. Preisanstieg in Deutschland um 60 Prozent. Ein historisches Rekordniveau übrigens. Hier fehlte also in der Adventszeit eine Zutat, die in beinahe allen Weihnachtskeksen zu finden ist. 

Die Türkei gehört zu den drei europäischen Ländern, die in der Zukunft besonders stark an wetterbedingten Extremereignissen zu leiden hat. Seit 2004 sind vor allem die Tage, an denen es hagelt, gestiegen. Bis 2030 wird auch der Wasserstress stark zunehmen. Also der Stress, den Pflanzen während einer Trockenperiode entwickeln. Da die Pflanzen jedoch mild-feuchtes Klima benötigen, muss man hier immer wieder mit Ernteausfällen rechnen.

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ORANGEN

Das drittliebste Obst der ÖsterreicherInnen. Mehr als die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensafts kommt übrigens aus Brasilien.

Orangenbäume wachsen besonders gut in diesen warmen Gebieten. Das hat zur Folge, dass sie in trockenen Regionen permanent auf natürliche Weise oder künstlich bewässert werden müssen. Ein weltweiter Temperaturanstieg hätte zur Folge, dass man, vor allem in Sao Paulo, aufgrund mangelnden Niederschlags intensiv künstlich bewässern müsste.

Dann wäre da noch Florida als zweitgrößtes Orangenerzeugerland der Welt. Etwa 1.500 Wirbelstürme ziehen dort jährlich durch das Land und knapp 20 Hurrikane pro Dekade treffen dort auf die Küstengebiete, darunter natürlich auch auf die Plantagen. Dumm nur, dass seit 2011 in Kalifornien eine außergewöhnlich starke Dürre herrscht. In den Orangenanbaugebieten der USA besteht zudem auch Flutrisiko, was zu Wurzelfäule durch Bodenpilze und damit dem Sterben des Baums führen kann.

Die Liste der Krankheiten und Schädlinge von Orangenbäumen ist übrigens sehr lang. Die Zukunft der Orangen sieht also nicht sehr rosig aus. 

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ERDÄPFEL

Wenn Kartoffeln profitabel angebaut werden wollen, benötigen sie eine gleichmäßige Wasserversorgung. Mit Dürre und hohen Temperaturen kommen sie nur selten gut zurecht und bleiben dann, wurde mir gesagt, dementsprechend winzig, keimen schneller und enthalten weniger Stärke.

Da Erdäpfel zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln der Österreicher gehören, sind zukünftige Engpässe besonders schmerzlich. Das muss natürlich nicht, kann aber klimawandelbedingt durchaus schon einmal passieren. Schon 2017 sorgten fünf Hitzewellen für schlechtere Kartoffelerträge. Außerdem haben Schädlinge und Dürren 2018 rund 70 Prozent der heimischen Erdäpfelernte beschädigt. 130.000 Tonnen mussten aussortiert werden. (Die Menge würde reichen, um über zwei Millionen Österreicher ein Jahr lang mit Kartoffeln zu versorgen.) Anfang April 2019 waren die Lager für festkochende Sorten dann geleert.

Geplant ist nun zukünftig das Donauwasser für die von Trockenheit geplagten Felder im Weinviertel zu verwenden. Die entsprechenden Leitungen zu verlegen wird bzw. würde aber Jahre dauern und ziemlich viel kosten. Mal sehen, was es dann letztendlich wird. Europaweit hat die Gesamtproduktion an Kartoffeln (inkl. Verarbeitung) 2018 übrigens um 15 % verloren.

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WASSER

Wer den Artikel bis hier fleißig gelesen hat, weiß mittlerweile, dass es beim Anbau vor allem auf die richtige Menge Wasser ankommt. Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Ganz egal, ob wir es nun im Morgenkaffee, im Steak oder in der Pizza haben: In so vielen unserer täglichen Nahrungsmittel versteckt sich die eigentlich recht knappe Ressource.

In Deutschland werden pro Kopf und Tag etwa 120 Liter davon verwendet. Diese werden für alltägliche Dinge wie Kochen, Duschen oder Putzen verwendet. Der virtuelle Fußabdruck ist jedoch etwa vierzig Mal so hoch. Knapp 5000 Liter benötigen nämlich die Dinge, die eine Person täglich konsumiert. Dabei entsteht die Hälfte dieses Fußabdrucks im Ausland.

Wasser als rare Ressource schafft außerdem komplexe Interessenskonflikte und zwar dann, wenn es um die Verteilung und Nutzung geht. Denn wenn Wasser knapper wird, wird der Hunger größer. Und mit knapper meine ich vor allem verschmutzter.

Die intensive Landwirtschaft ist nicht nur größter Wassernutzer, sondern auch die primäre Ursache von Wasserverschmutzung. Neben der Versalzung der Böden (mittlerweile schon 20 Prozente der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche), wird die Erde auch intensiv mit Stoffen überversorgt. Aus Industrie (vor allem Massentierhaltung inklusive Futtermittelanbau sowie Baumwollanbau) und Bergbau (vor allem Kohle) gelangen gefährliche Schwermetalle in die Luft, Böden und ins Wasser.

In den meisten Entwicklungsländern findet man daher hohe Konzentrationen an Pestiziden, Schwermetallen und Krankheitserregern aus Industrie und Haushalten in Essen und Trinkwasser. (Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass viele unserer Lebensmittel aus Entwicklungsländern stammen. Somit findet sich auch in Österreich ein Teil davon wieder. Just sayin.)

Der Weltwasserbericht 2014 hat prognostiziert, dass die Wassernutzung durch Landwirtschaft bis 2050 stagnieren oder gar fallen wird. Das bedeutet, dass für die Agrarwirtschaft immer weniger Wasser zur Verfügung steht. Außerdem fließen weltweit 80 Prozent des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer. Chinas Behörden meldeten vor einigen Jahren sogar, dass 90 Prozent der Flüsse im Land verschmutzt seien.

Ein weiteres Problem wären da noch grenzüberschreitende Wassereinzugsgebiete sowie fehlende Abkommen und damit verbundene Konflikte, wenn es um die gemeinsame Nutzung geht. Weltweit sind es übrigens 38 Länder, deren externes Süßwasser mehr als die Hälfte des verfügbaren Wassers ausmacht. Potentielle Konflikte, Unruhen und gar Krieg bei Knappheit wäre somit recht vorhersehbar. Und das gilt am Ende natürlich nicht nur für Trinkwasser.


Und als wäre all das nicht genug: Durch den steigenden Kohlendioxidgehalt der Luft schaffen es viele Pflanzen nur noch in geringem Maße, wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente zu speichern. Dabei geht es konkret um Eisen und Zink, die die Pflanzen aus dem Boden aufnehmen. Mehr dazu aber ein anderes Mal.


 

Was sagt ihr: Wie könnte man diese Probleme zukünftig lösen, ohne den Klimawandel dabei noch weiter anzuheizen? Großen Konzernen wie Monsanto vertrauen, neuen Genzüchtungen eine Chance geben, die eventuell auch negativ auf unsere Gesundheit eingreifen können und die Zukunft der Ernährung einer Handvoll Menschen anvertrauen oder lieber wieder auf robuste Raritäten setzen, die zumeist auch ohne derart große schädliche Mengen an Dünger, Herbiziden und Pestiziden auskommen? Ich liebe es von meinen LeserInnen zu lesen! Inspiriert mich mit einem Kommentar oder erntet gutes Karma und teilt diesen Beitrag mit dem Hashtag #blattgrünblog in den unendlichen Weiten des Internets. Ich freu mich und sag Dankeschön! ♥ Eure Tanja

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Bildquellen

Quellenangaben

    • https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/2_Downloads/Fachinformationen/Analyse/Analyse_49_Wasserreport.pdf
    • https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-11-14/to-save-chocolate-scientists-develop-new-breeds-of-cacao
    • https://www.climate.gov/news-features/climate-and/climate-chocolate
    • https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/3822/file/WSFN1_Stengel.pdf
    • https://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Information-Die-Ruhe-vor-dem-Sturm.pdf
    • https://www.topagrar.com/acker/news/starke-auswirkungen-des-klimawandels-auf-landwirtschaft-erwartet-11811003.html
    • https://www.ama.at/Marktinformationen/Obst-und-Gemuse/Aktuelle-Informationen/2019/Marktuebersicht-Kartoffeln-international
    • https://www.makam.at/kaffeekonsum-in-oesterreich/ 
    • https://www.nature.com/articles/s41477-018-0263-1.epdf

 

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