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Muss plastikfrei automatisch schwieriger sein als ein konventioneller Lifestyle? Ein 30 Tage-Selbstversuch #plasticfreejuly

Muss „plastikfrei“ automatisch schwieriger sein als ein konventioneller Lifestyle? | Blattgrün

Seit Beginn des Monats versuche ich ganz bewusst plastikfrei einzukaufen und auf unnötige Verpackungen zu verzichten. Ja, gut, erwischt. Eigentlich tu ich das eh das ganze Jahr über, doch diesen Juli wird wieder einmal (fast) strikt daran vorbeigegangen. Hallo #plasticfreejuly

Wie schon zu Beginn der Challenge erklärt, ist Plastik, als Einwegprodukt und Verpackungshabitat für allerlei gustatorische Genüsse und auch Kosmetika, ist ein Dorn im Auge eines jeden umweltbewussten Individuums. Plastik ist einfach und kurz gesagt, verzeiht mir, wirklich oasch für den Planeten und jeglichen Leben auf diesem. Kunststoffstrudel in den Ozeanen, Einkaufssackerl im Wald, Mikroplastik, das sich als Sandkugerl tarnt – All diese Dinge müssten nicht sein, wenn die Menschheit ein wenig besser auf Mutter Erde achten und von Verpackungen, die gerade einmal einen Wimpernschlag lang verwendet werden, hin zu wiederverwendbaren Optionen wechseln würde. 

Mein Selbstversuch: 30 Tage ohne Plastik


Da ich im Alltag prinzipiell darauf achte Plastik zu vermeiden, wollte ich diesen Monat einfach mal sehen wie weit ich komme, wenn ich gänzlich plastikfrei durch den Monat kommen möchte. In diesem Artikel möchte ich mich vorwiegend auf die drei großen Baustellen des Alltagslebens konzentrieren: Ernährung, Kosmetik, Kleidung. Im ABC für Zero Waste findet ihr übrigens noch viele weitere Lifestyle-Punkte, die ihr reflektieren und gern auch umsetzen könnt. All das hier unterzubringen, würde den Artikel aber unnötig in die Länge ziehen.

Plastikfrei bedeutet heutzutage meist verpackungsfrei. Ganz klar, denn Dinge verkaufen sich immer besser, wenn sie in buntes Mogelgeraschel verpackt sind. Wir zahlen im (0815-)Supermarkt nämlich nicht einfach nur für das Produkt an sich, sondern auch das teure Marketing sowie die ansprechende Verpackung und die damit verbundene Entsorgung dieser. Challenges wie die plasticfreejuly sorgen somit nicht nur für weniger Müll an Stränden am anderen Ende der Welt, sondern auch für mehr Achtsamkeit und bewusstes Reflektieren bei kommenden Einkäufen. 

Natürlich gibt’s aber, wie bei jedem anderen Thema auch, ganz viele Vorurteile. Drei davon möchte ich heute mit euch teilen, weil ich es als sehr wichtig empfinde darüber zu reden, denn diese 3 sind meist dafür verantwortlich, dass ein umweltfreundlicherer Einkauf von vornherein nicht ausprobiert wird. 

1 | Plastikfrei ist teuer

Fakt ist: Wer umdenkt, kann Geld sparen. Die Kosten für Hygieneartikel oder auch Nahrungsmittel können sich wunderbar minimieren und so bleibt genug Geld für tolle Erlebnisse.

Muss „plastikfrei“ automatisch schwieriger sein als ein konventioneller Lifestyle? | Blattgrün

Vieles Nachhaltige(re) scheint im ersten Moment enorm teuer, wird aber nicht bis zum Produktlebensende durchgerechnet. Eine Menstruationstasse kostet etwa 10 Euro, ersetzt aber im Laufe eines Frauenlebens etwa 12500 Tampons und bringt, auf’s Leben gesehen, eine Ersparnis von 2000 Euro, wenn man’s mit Binden rechnen möchte. Dasselbe gilt auch für waschbare Baumwollpads statt Watte. Eine hochwertige Trinkflasche aus Edelstahl kann schon mal 30 Euro kosten, ist aber im lebenslangen Vergleich zum abgepackten Wasser oder Limo aus dem Handel, das wir gerne sowie oft kaufen, nicht einmal erwähnenswert. Ein Rasierhobel kostet zwischen 30 und 60 Euro, ist aber ebenso eine kostengünstige Anschaffung, da er sich aufgrund der Qualität ewig hält und die Rasierklingen wirklich billig sind. Nicht so Systemrasierer und die horrend teuren Nachfüllpackungen. Ihr seht: Man darf nicht alles so impulsiv verteufeln. Oft reicht es schon den Taschenrechner zu zücken, zu vergleichen und ein wenig hochzurechnen. 

Muss „plastikfrei“ automatisch schwieriger sein als ein konventioneller Lifestyle? | Blattgrün

Bei Lebensmitteln spart man ebenso nachhaltig, da abgepacktes Essen aufgrund der Verpackungen kostenintensiver ist als unverpackte Ware. Klar, denn abgesehen vom Preis für die Verpackung als Rohstoff, stecken darin noch die Kosten für das Design, das Marketing sowie die von Einrichtung und Verwaltung der Verpackungsstelle, aber auch deren Lohnkosten fallen darunter. Verpackung ist somit nicht nur unnötig, sondern macht unser geliebten Essen teurer. Wer schon einmal, ganz oldschool, auf Bauernmärkten oder in Ab Hof-Länden unterwegs war, merkt schnell, das Lebensmittel einen großen Batzen günstiger sein können als im Supermarkt um die Ecke. Abgesehen von den gefühlt 100 anderen Gründen, die für einen entscheunigenden Besuch am Bauernhof sprechen, freut man sich am Ende halt einfach so sehr über mehr für weniger. 

2 | Plastikfrei geht nicht überall

„Was tu ich denn, wenn ich keinen Unverpackt-Laden in der Nähe hab? Kann ich dann überhaupt plastikfrei einkaufen?“, hat mich eine Freundin gefragt, als ich mich mit ihr über das kleine Experiment unterhalten habe. 

Ich bin ja in Linz, der Stahlstadt Österreichs, zuhause. Bis zum Jahre 2016 hatten wir hier das Vergnügen den holis market für unsere verpackungsfreien Einkaufsabenteuer nutzen zu können. Seit der Schließung ist das Einkaufen ohne unnötiges Pipapo definitiv wieder schwieriger geworden, aber trotzdem größtenteils machbar. Natürlich muss man auch Abstriche machen, wie z.B. auf bunt-abgepackte Goodies zu verzichten, doch gibt es immer noch so einige Läden, die zu einem Sammelsurium aus Möglichkeiten verschmelzen. Allem voran der Genussladen am Südbahnhofmarkt, Mein Müli in der Domgasse oder auch die wöchentlich stattfindenden Bauernmärkte. Eine Liste für’s verpackungsfreie Einkaufen in Linz gibt’s hier. In Steyr und St. Valentin gäbe es sogar zwei Lose-Läden. Da ich jedoch immer ohne Auto unterwegs bin, sind die beiden Läden für mich eher ein besondere Ausnahme. 

Im Prinzip geht eigentlich vieles, vor allem Gesundes, grundsätzlich plastik- und auch oft verpackungsfrei: Obst und Gemüse, Butter sowie Joghurt (wenn selbstgemacht), Wurstwaren/Fleisch und Käse (wenn mitgebrachte Behältnisse), Brot und Gebäck (wenn eigenes Sackerl), Nudeln (wenn selbstgemacht) oder Süßes (z.B. Energiebällchen aus Datteln und Nüssen oder DIY-Eiscreme). Manches ist absolut nicht aufwendig in der Planung, anderes benötigt ein bisschen Know How. 

Dasselbe gilt für Kosmetik oder Kleidung. Wer hier gern selbst Hand anlegt, ist eindeutig klar im Vorteil. Wer nicht gerne Cremen, Tonics oder Salben anrührt, kann ausnahmsweise mal im Internet bestellen oder Google nach geografisch-naheliegenden Einkaufsmöglichkeiten für festes Shampoo, verpackungsfreie Seife und ähnliches fragen. Trockene Kosmetikprodukte halten glücklicherweise recht lang. So ist man auch nicht darauf angewiesen jede Woche neu zu kaufen. 

Für Kleidung gilt: Naturfasern sind, im Gegensatz zu Synthetik, abbaubar und fallen somit auch irgendwie in das Zero Waste-Prinzip. Wir haben hier beispielsweise das ECO sowie den Zerum, zwei wundervolle Fair Fashion-Stores für nachhaltige Bekleidung, zur Verfügung. 

3 | Plastikfrei ist sooo kompliziert

Ganz ehrlich: Ja, kann es schon mal sein, vor allem, wenn man gerne unverpackt kaufen möchte. Aber nur am Anfang, denn nichts ist zu Beginn wirklich einfach. Genauso wie bei allen anderen Dingen auch. Plötzlich stellen sich geballt allerlei Fragen wie „Wie kann ich Müll eigentlich vermeiden? Was darf ich ab jetzt eigentlich kaufen, um Müll zu vermeiden? Was kann ich statt (…) nehmen? Und was zum Teufel mache ich jetzt mit dem Müll, den ich noch zuhause habe?“ und man verliert schnell wieder die Motivation für den Umweltschutz im Kleinen.

Gerade, wenn es um die täglichen Mahlzeiten geht, kann plastikfrei bzw. Zero Waste schon einmal zur Herausforderung werden. Ich habe aufgrund meiner Selbstständigkeit das Glück viel Zeit und Lust ins Kochen stecken zu können. Anderen fehlt vielleicht die Motivation zur Zubereitung von Frühstück, Mittag- UND Abendessen sowie auch die Zeit dafür. Fertigpizza aus dem TK-Regal im Supermarkt gib’t aber halt nicht plastikfrei und das Essen macht sich leider auch nicht von selbst. Conclusio: Wer plastikfrei essen möchte, muss halt einfach auch plastikfrei kochen (oder sich im Bestfall bekochen lassen). Pluspunkt: Durch das Fehlen der ganzen verarbeiteten Mainstream-Ware kann es durchaus vorkommen, dass Pfunde purzeln, sich Blutwerte verbessern und im Wesentlichen der ganze Körper von der Umstellung profitiert. 

Muss „plastikfrei“ automatisch schwieriger sein als ein konventioneller Lifestyle? | Blattgrün

Was ich jedoch definitiv bestätigen kann, ist die fehlende Leichtigkeit beim Einkauf. Ich habe kein Auto und bin prinzipiell zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffis unterwegs. Als ich vor Jahren damit begonnen habe mich ans verpackungsfreie Kaufen heranzutasten, war die Motivation so groß, dass ich gleich mit allerlei Glasbehältnissen in den Laden ging. Fehler! Glas ist super zum Aufbewahren, aber schei.. schwer beim Transportieren. Aus diesem Grund gibt’s seit einiger Zeit einen eigenen Artikel mit Anfängerfehlern im Blog, der euch leichtere Alternativen sowie eine simple Grundausrüstung zeigt. 

Zwei Nachteile, mit denen ich die letzten zwei Wochen immer wieder Bekanntschaft machen musste

Nicht alles Plastikfreie kommt aus kontrolliert biologischer Herstellung.

Zumindest nicht in Linz. Ich mag den Südi-Genussladen unglaublich gern, würde mich aber freuen, wenn es mehr offene Bio-Lebensmittel gäbe. Allem voran in Bezug auf Trockenwaren wie Reis, Hülsenfrüchte, Haferflocken, Gewürze oder Trockenobst. Es ist auch immer ein bissl traumatisch, wenn ich beim Einkauf in Bioladen und Supermarkt entscheiden muss, ob ich lieber Bio und Plastik oder Unverpackt und Konventionell befürworten will. Das ginge übrigens alles viel leichter, wenn KonsumentInnen, also du und ich, mehr Druck auf Läden ausüben würden. Also traut euch ruhig mal die Dinge dort anzusprechen. 

Wenn die große Freude zur stressbehafteten Perfektion wird

Es gibt Dinge, die trotz aller Nachhaltigkeit und Liebe zur Idee, leider einfach horrend teuer und für mich so nicht machbar sind, weil es mir einfach zu deppert ist. Dazu gehört beispielsweise Toilettenpapier. Smooth Panda ist ein tolles Eco-Unternehmen, welches aus schnell wachsendem Bambus Klopapier herstellt, das den plastikfreien Weg zu KundInnen nach Hause findet. Jedoch: Mit knapp 8 Euro für acht Rollen (also etwa 1€/Rolle) liegt der Preis weit über Premium-Papier im Handel. Soviel muss man für das bisschen Einweg zum Runterspülen einfach nicht ausgeben. Das gilt auch für alle anderen Anbieter, die verpackungsfreies Toilettenpapier anbieten, teils sogar noch teurer! Alternativ gibt’s Recyclingpapier, welches aber auch immer in Plastik daherkommt. Da für mich aber nichts anderes in Frage kommt, bin ich bei der Recyclingvariante hängen geblieben. Letzte Woche habe ich ein kleines Goodie von HappyPo als PR Sample zugeschickt bekommen und versuche mich gerade damit anzufreunden. (Annemarie hat übrigens in ihrem Blog darüber berichtet.) Mit der Podusche kann man auf alle Fälle viel Papier und somit in weiterer Folge auch die Umverpackung aus Plastik einsparen.

Ebenso MAG ich nicht immer NUR plastikfrei kaufen. Manchmal, wenn auch selten, will ich halt einmal Hipster-Superfood wie Tofu (in Plastik), Süßkram in veganer Option (wenn auch im bunten Plastikbeutel), frisch gepresste Weizengras-Shots (in Plastik) oder fertige Mandelmilch (im Tetrapack). Auch bei Kosmetikprodukten bin ich nicht vollständig verpackungsfrei unterwegs: Meine große Sommerliebe ist die After Sun-Creme einer meiner Lieblingsmarken, die es nunmal nur in einer Kunststofftube gibt. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie lang diese Käufe immer wieder an meinem perfektionistischen Idealisten-Hirn genagt haben. Mittlerweile seh ich’s viel gelassener und das muss ich auch, denn sonst würde mir all vielleicht irgendwann keinen Spass mehr machen.

Fazit zum bisherigen Selbstversuch


Bei aller Liebe zum Umweltschutz und den vielen tollen Möglichkeiten: Gänzlich plastikfrei werde ich wohl nie schaffen und, meine Güte, das ist völlig in Ordnung.

Muss „plastikfrei“ automatisch schwieriger sein als ein konventioneller Lifestyle? | Blattgrün

Außerdem habe ich durch diese Challenge meine Neugier für Low Waste-Rezepte neu entfacht, einige wundervolle Menschen kennengelernt, die selbst auf einen niedrigen ökologischen Fußabdruck achten oder sogar verpackungsfreie Läden betreiben und mich in Gelassenheit geübt. Gelassenheit vor allem deshalb, weil die kleine Magenblutung und die Gastritis, die mir in den zwei Wochen das Leben nicht gerade leichter gemacht haben, dafür gesorgt haben, dass ich Medikamente (in Plastik verpackt) nehmen und massenhaft Zwieback (ebenso in Plastik verpackt) essen muss. Das hat zwar den Versuch der strikten Vermeidung mehr oder weniger von Beginn an ruiniert, aber zeigt euch zumindest, dass es halt nicht immer auf Biegen und Brechen geht und gehen muss. Auch, wenn Instagram und Co. dieses Bild gerne einmal vermitteln. 

Ich bin gespannt, was die nächsten zwei Wochen bringen. Am Ende der Challenge gibt’s von mir auf alle Fälle noch eine Liste mit Helferleins, die meine Odyssee sehr vereinfacht hätten, sowie ein paar einfache und plastikfreie Rezepte, also stay tuned, ihr Lieben!


Und ihr so? Seid ihr ebenso dabei Plastik zu reduzieren oder gänzlich darauf zu verzichten? Ich liebe es von meinen LeserInnen zu lesen! Inspiriert mich mit einem Kommentar oder erntet gutes Karma und teilt diesen Beitrag in den unendlichen Weiten des Internets. Ich freu mich und sag Dankeschön! ♥ Eure Tanja

1 Comment

  • Reply
    Anne
    20. Juli 2018 at 22:53

    Hallo Tanja,

    ich stimme dir da in allen Punkten zu! Und vor allem in dem wichtigsten Punkt: „Gänzlich plastikfrei werde ich wohl nie schaffen und, meine Güte, das ist völlig in Ordnung.“

    Wenn ich mich mit Freunden und Bekannten drüber unterhalte, reicht es mir schon, einen Anstoß zu setzen. Wie bei Inception, die Idee muss sich selber pflanzen. :P Wenn man gleich mit gut und böse, schwarz und weiß, anfängt, hat man eh schon verloren und keine Lust mehr. Bei mir hat es selber mit der Umstellung auf Naturkosmetik angefangen, dass ich mich damit mehr beschäftige, und jetzt kommt halt alles nacheinander.. Edelstahltrinkflasche, Baumwollbeutel für Gemüse, Menstruationstasse, Essen für das Büro vorkochen und Ethletics! (die bis jetzt übrigens noch wunderbar aussehen)- das kam nicht alles aufeinmal. Aber jeder Schritt, jede Besserung, macht einfach Spaß. :)

    P.S.: SauberKunst ist richtig gut! Mein Arbeitsplatz ist nicht weit von einem Laden entfernt, seitdem hab ich zuhause etwas mehr Seife, als ich benutzen kann. :D Mein Lieblingsshampoo ist Kokosmakrone. <3

    LG Anne

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