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Projekt: Gesunde Zahnpflege ohne Fluorid und Mikroplastik

Ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit ein Freund der Naturkosmetik. Ich liebe meine selbstgemachten Peelings, ich könnte nicht mehr ohne meine basische Hautcreme, ich zahle gerne ein wenig mehr für Haarshampoo ohne chemische Inhaltsstoffe und ich vergöttere Teufelskralle-Öl, wenn ich mal verspannt bin. Aus unerklärlichen Gründen kam ich aber erst 2013 herum auf die Idee, dass ich meine normale Zahnpasta ja auch mal gegen eine basische Zahncreme tauschen könnte. Und das war noch nicht alles.

Von da an habe ich versucht meinen Zähnen so viel Natur wie möglich zu gönnen, um mein (ohnehin immer wieder mal entzündetes) Zahnfleisch nicht weiter mit grünen, blauen und lilafarbenen Mundspülungen zu reizen. Und ich habe mich über die chemische Wirkung von Fluorid erkundigt. Deshalb, so kurz wie möglich, hier ein paar Einblicke: Fluor ist ein hochgradig ätzender Stoff aus der Gruppe der Halogene. Fluorid ist ein sog. Anion, welches aus der Elektronenaufnahme von Fluor entsteht. Fluoridverbindungen wurden in beiden Weltkriegen als Kampfgas eigesetzt, während Natriumfluorid in hohen Konzentrationen in Rattengift und Pestiziden enthalten ist. 

Zahnschmelz ist die härteste Substanz im Körper und schützt uns eigentlich vor Karies. Flourid KANN, als Medikament gesehen, laut vieler Zahnärzte den Zahnschmelzabbau verlangsamen, macht die Substanz durch den erhöhten Härtegrad jedoch auch brüchiger und reagiert mit Füllungen, wie z.B. Amalgam, da es sich durch Metalle frisst. Und noch viel wichtiger ist: Zwar sind Fluoride nicht so toxisch wie Fluor, aber dennoch in größeren Mengen giftig. Sie sind nicht biologisch abbaubar, werden daher auch nicht vom Körper abgebaut und lagern sich in den Zellen ein. In handelsüblicher Zahnpaste ist außerdem nicht das natürliche Mineral (wie es in Lebensmitteln wie z.B. Mandeln, Walnüssen oder Blattgemüse vorkommt), sondern meist das chemische Abfallprodukt aus der Aluminium-, Stahl- und Phosphatindustrie enthalten. Soooviel dazu. 

Wer sich schon einmal das Kleingedruckte auf normalen, fluoridhaltigen Zahnpasten durchgelesen hat, wird auch lesen, dass Kinder unter 6 Jahren den entstehenden Zahnschaum nicht schlucken dürfen. Verständlich, denn Fluorid wirkt als Kariesprophylaxe nur, wenn es direkt auf den Zahnschmelz gegeben wird. Gemein, da die meisten Kinderzahnpasten (wir erinnern uns) bei Konsum toxisch wirken können, aber so lecker süß schmecken. Ein Kleinkind mit 10kg würde das Naschen einer ganzen Tube Fluoridzahnpasta nicht überleben. Deshalb auch der Warnhinweis, dass Kinder nur unter Aufsicht der Eltern Zähne putzen sollen. Fluorid ist in gleicher Konzentration giftiger als Blei und nur unwesentlich weniger giftig als Arsen – Es spricht also viel dafür, die leckere Tube der Kinder gleich mal in den Müll zu werfen!

Wer sich gerne einmal über die restlichen Inhaltsstoffe seiner Zahnpasta informieren möchte, möge einen Blick auf diese Schadstoffliste werfen und mit den Zutaten der Zahnpasta seines Vertrauens vergleichen. Wir kennen ja das Sprichwort: Was man an Inhaltsstoffen in Kosmetika nicht essen oder trinken würde, sollte auch generell nicht in und auf den Körper. Du fragst dich jetzt hoffentlich: Was kann ich dann stattdessen in den Zahnputzbecher geben, um meine Zähne zu schützen? 

(Anmerkung: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2014 und wurde im September 2016 überarbeitet.)

ZAHNPASTA

Gleich vorweg: Ich mag den extrem frischen Geschmack morgens beim Zähneputzen nicht. Ich frühstücke gerne oder trinke meinen Kaffee und verabscheue es, wenn der Zahnpasta-Geschmack das Aroma meines Frühstücks verändert. Deshalb bin ich zu allererst auf Basen-Zahncreme von Dr. Ewald Töth umgestiegen. Die schmeckt zwar ein bisschen nach Zitronenöl, aber der Geschmack verfliegt sehr schnell nach dem Zähneputzen. Ich mag die deshalb irrsinnig gerne, weil sie keine tierischen Bestandteile enthält, frei von Farb- und Konservierungsmitteln ist und vor allem schäumt sie nicht wirklich. Denn wenn Zahnpasta schäumt, sollte man wissen, dass sich meist Natriumlaurylsulfat darin befindet. Dieses Tensid trocknet die schützende Schleimhaut im Mund aus und fördert die Bildung von sog. Aphthen. Eine weitere hoch gelobte Zahncreme bei hinterfragenden Erwachsenen in meinem Bekanntenkreis, die ich aber selbst noch nicht hatte, ist die Kinderzahncreme von Weleda. Nachtrag: Mittlerweile, 2016, benutze ich nur noch das Zahnöl von Ringana oder selbstgemachte Zahncreme.

Wer es lieber ganz spartanisch mag: Salz (gute Qualität, kein Speise-oder Tafelsalz, sondern unjodiertes Meersalz, unbedingt vor dem Putzen kurz einspeicheln) oder Natron. Hier aber bitte gut aufpassen, weil das Zahnfleisch ein bisschen beleidigt reagieren kann, wenn man zu viel davon nimmt! Natron schreibt man auch eine bleichende Wirkung zu, was ich persönlich jetzt aber nicht bestätigen kann. Vielleicht funktioniert es ja mit Kurkuma besser. Nicht vergessen: Das Wichtigste am Zähneputzen ist aber immer noch das Schrubben selbst – Und zwar von rot nach weiß, weil man sonst die ganzen doofen Bakterien unter’s Zahnfleisch drückt. Wer es gerne mal mit einer ökologischen Bio-Zahnbürste versuchen mag, kann sich eine aus Bambus kaufen.

zahnpflege ohne fluorid

Tipp: Niemals Zahnpasta mit Schleifpartikeln kaufen! Die Werbung lockt mit weißeren Zähnen, verschweigt aber, dass die Körnchen in der Zahncreme den Zahnschmelz aufrauen und die Beisserchen damit auf Dauer schutzlos ausgeliefert sind.

MUNDSPÜLUNG

Mal ehrlich: Diese grünen, blauen und lilafarbenen Chemiebomben möchte doch keiner freiwillig im Mund haben. Die brennen einem nicht nur den Ausfluss des Waschbeckens weg, sondern auch alles Brauchbare im Mund. Viele Menschen nutzen die Mundspülung oft nur für frischen Atem. Und genau da liegt der Hund begraben: Wer an chronischem Mundgeruch leidet, sollte eher zu Zahnseide und Zungenschaber greifen. (Dazu komme ich später noch.) Wenn das auf Dauer auch nicht hilft, einfach mal zum Arzt gehen. Mundgeruch kann auch andere Ursachen haben, wie z.B. Stress, Magenprobleme, Karies oder falsche Ernährung. Wenn man nämlich wegen Mundgeruch mit bunten Wässerchen spült, bekämpft man nur kurzfristig die bösen Bakterien, schadet aber der Mundflora, weil man konstant die guten Bakterien tötet und so Mundgeruch weiter fördert.

Natürliche Mundspülungen sind schnell und einfach hergestellt. Hat man beispielsweise entzündetes Zahnfleisch, sollte man zu entzündungshemmenden Kräutern und Ölen greifen. Bakterien verabscheuen Öl. Ringelblume oder Kampfer helfen wunderbar bei Entzündungen des Zahnfleisches. Nelkenöl ist zwar mit Vorsicht (!) zu genießen, betäubt aber auf natürlichem Wege und tötet ebenso alles ab, was da nicht hingehört. Es wird entweder per angefeuchtetem Wattestäbchen (plus 1 Tropfen Nelkenöl) direkt auf die entzündete Stelle aufgetragen oder mit Wasser vermischt und als Spülung verwendet (1-2 Tropfen Nelkenöl auf ein halbes Glas Wasser).

Auch das sog. Ölziehen hat sich bewährt. Auf nüchternen Magen (heißt auch: vorher nicht mal Wasser trinken) 1 EL hochwertiges Öl in den Mund nehmen, 15 Minuten durch die Zähne ziehen und hin und wieder ein kurze Pause einlegen, damit das Öl sich verteilen und einwirken kann. Anschließend auf keinen Fall runterschlucken und während des Ziehens nicht Gurgeln. Am Schluss noch mit Wasser ausspülen und wie gewohnt Zähne putzen. Ich nutze das Ölziehen gerne ein paar Mal im Jahr für je eine Woche als Kur oder einfach mal so, wenn mein Zahnfleisch sich entzündet hat.

Ein weiteres Wunderwuzi der Zahnpflege ist Xylit. Klingt im ersten Moment sehr chemisch, ist aber eigentlich Birkenzucker und absolut unschädlich für den Körper. Was? Mit Zucker spülen? Genau! Löst Xylit sich im Mund auf, fördert es die Speichel-Bildung. Speichel enthält viel Calciumphosphat, welches für die Bildung und Härtung des Zahnschmelz verantwortlich ist. In Verbindung mit Xylit wird die Einlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz gefördert (=Remineralisierung). Außerdem verdünnt der Speichel im Mundraum vorhandene Säuren, erhöht so den pH-Wert und schützt damit die Zähne. Die Karies verursachenden Bakterien bekämpfst du damit nicht direkt, aber die im Mund lebenden Bakterien, die normalerweise aus Zucker zahnschädliche Milchsäure erzeugen, werden in Anwesenheit von Xylit an ihrer Arbeit gehindert. Man nimmt einen halben TL Xylitpulver in den Mund und speichelt es ein. Anschließend spült man eine gute Minute damit und spuckt es wieder aus. Wer mehr über Xylit wissen möchte, kann sich hier ein paar FAQs durchlesen. Wer bei der Ernährung Industriezucker gegen Xylit tauschen möchte, sollte anfangs sehr vorsichtig sein, denn Xylit löst bei übermäßigem Verzehr Blähungen und Durchfall aus. Shia hat ein tolles, antibakterielles Zero Waste-Rezept für eine DIY Mundspülung mit Teebaumöl und Xylit. 

ZAHNSEIDE, DENTALBÜRSTCHEN UND ZUNGENREINIGER

Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten Zahnzwischenräume von Bakterien zu befreien! Leider nutzen die wenigsten Menschen Zahnseide oder wissen nicht wie man diese richtig anwendet. Man ist verunsichert und lässt es lieber gleich bleiben. Dabei ist Zahnseide nach der Zahnbürste das wichtigste Instrument der Mundhygiene. Bakterien machen es sich gerne in Zahnzwischenräumen gemütlich (da wo die Zahnbürste meist nicht hinkommt) und fördern Karies genau dort, wo man ihn nicht gleich bemerkt. Ein Besuch beim Zahnarzt, einmal nachfragen und das Ego beiseite legen, helfen dabei Zahnseide richtig zu benutzen. Und bitte wieder auf die Inhaltsstoffe achten! Nachtrag: Mittlerweile habe ich auch herausgefunden, dass es ganz natürliche Zahnseide ohne Plastik gibt, was mich persönlich ja besonders glücklich macht. Sie steht noch auf meiner Einkaufsliste, daher kann ich nicht recht viel dazu sagen. 

Ein guter Freund bei der täglichen Zahnroutine ist mir ebenso der ganz normale Kaffeelöffel aus der Besteck-Schublade geworden. Er dient als Zungenschaber und entfernt den pelzigen Belag auf der Zunge, der für Mundgeruch verantwortlich ist, bravourös. Und das sogar ebenfalls alles ohne unnötigen Kunststoff. 



Kennst du noch andere natürliche Zahnpflegemittel? Welche DIY-Zahnpflegeprodukte nutzt du gerne? Womit hast du gute Erfahrungen gemacht?

6 Comments

  • Reply
    Cathleen
    3. Dezember 2018 at 14:01

    Hallo, ich habe diese Seite sehr aufmerksam gelesen. Würde gerne wissen wie das jetzt mit den Erfahrungen mit der plastikfreien und fluoridfreien Zahnseide ausgegangen ist außerdem würde ich gern mein eigenes Zahnpasta Rezept weitergeben weil ich damit jetzt seit einem halben Jahr auch sehr gute Erfahrung gemacht habe. LG Cathleen

    • Reply
      Tanja
      3. Dezember 2018 at 19:23

      Hy Cathleen!
      Die Zahnseide von Monomeer im Glasflakon hatte ich in Verwendung und hab recht gute Erfahrungen damit gemacht. Man kommt irre lang damit aus. Abgesehen davon ist sie aber aus Naturseide, mit Bienenwachs gewachst und somit plastikfrei. :)
      Liebe Grüße
      Tanja

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    Das kleine Zerowaste-Spa oder auch: Meine Top 5 Kosmetikprodukte, die man in jeder Küche findet - blattgrün
    26. März 2018 at 22:01

    […] Birkenzucker habe ich schon hier ein wenig ausführlicher geschrieben. Zur […]

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    Anna
    13. Oktober 2016 at 23:18

    Hallo Tanja,

    wirklich interessant dein Beitrag. Leider funktioniert dein Link zur basischen Zahncreme nicht ;)

    LG,
    Anna

    • Reply
      tanjachampagner
      16. Oktober 2016 at 18:04

      Hy Anna! Ohje, danke für’s Bescheid geben! Die Zahnpaste war übrigens die Basen-Zahncreme von Dr. Ewald Töth, falls du selbst googeln möchtest.
      LG Tanja

  • Reply
    blue_sky
    25. August 2015 at 12:06

    Das mit dem Teelöffel Xylit Pulver habe ich so noch nicht gehört, interessanter Hinweis. Xylit Zahnpasta finde ich persönlich aber auch super :)

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